Isolierten Processus anconaeus (IPA, fragmentierter, nonunited Processus anconaeus)

Der Abriss des Proc. anconaeus des Olekranons (fragmentierter Processus anconaeus = FPA)wird relativ häufig bei heranwachsenden Hunden verschiedener Rassen wie z. B. Deutscher Schäferhund, Basset, Bernhardiner, Afghane, Vizsla, Weimaraner, Pointer, Deutsch Drahthaar, Teckel u. a. beobachtet (Abb. 28.9a, b). Der bis zur 11. Lebenswoche rein knorpelige Proc. anconaeus wird von einem eigenen Ossifikationszentrum gebildet. An seiner Verbindung mit dem Olekranon befindet sich eine Wachstumsfuge, die bis zur 18.-24. Lebenswoche röntgenologisch sichtbar bleibt und dann verknöchert. Dadurch verliert der Proc. anconaeus an Elastizität und kann wegen auf den Ellenbogen wirkenden Traumata partiell oder vollständig abreißen. Die Heilung wird durch die in den Spalt eindringende Synovia verhindert. Die daraus resultierende Ellenbogeninstabilität und Gelenkmaus ist schmerzhaft und mit arthrotischen Veränderungen verbunden (VAN SICKLE, 1975).

Symptome

Leichte bis hochgradige Lahmheit v.a. nach Ruhepausen, aber auch nach Anstrengung. Beim Belasten und bei der Vorwärtsbewegung wird das Ellenbogengelenk leicht nach außen rotiert. Gelenkschwellung, als Folge arthrotischer Veränderungen, Schmerzhaftigkeit beim Strecken und Überstrecken sowie Krepitation im Ellenbogengelenk können festgestellt werden.

Differentialdiagnose

Fraktur des Proc. anconaeus nach Trauma oder Bissverletzung.

Diagnosesicherung

Sie wird durch eine medio-laterale R√∂ntgenaufnahme in stark gebeugter Stellung gesichert (Abb. 28.9a,b). Bei der medio-lateralen R√∂ntgenaufnahme in gestreckter Stellung wird oft eine Stufenbildung infolge Verk√ľrzung der Ulna beobachtet. Bei √§lteren Patienten oder wenn schon arthrotische Ver√§nderungen vorliegen, sollte zus√§tzlich eine anterio-posteriore Aufnahme oder Schichtaufnahmen angefertigt werden. Bei der R√∂ntgenbildinterpretation sollte dem distalen Gelenkanteil besondere Beachtung geschenkt werden, da nach unseren Beobachtungen bei etwa 60 % der F√§lle, zus√§tzliche Ver√§nderungen, vor allem FPC, vorhanden sind. Die unterschiedlichen Erscheinungsformen des fragm. Proc. anconaeus wurden von (SCHAWALDER 2001, 2002) aufgezeichnet und typisiert.

Behandlung

Bei Patienten bis zum Alter von 6 1/2 Mo. kann durch eine Verl√§ngerungs- oder dynamische Osteotomie der proximalen Ulna ein Anwachsen des gel√∂sten Processus anconaeus erreicht werden (OLSSON, 1990; SCHAWALDER et al, 1998). Bei einem wegen Osteolyse erweiterten Spalt und starker Verlagerung des Knochenst√ľcks, bei Patienten √ľber 8 Mo., beim Vorliegen von arthrotischen Ver√§nderungen oder √§lteren Patienten bewirkt die Entfernung des losen Proc. anconaeus i. d. R. Schmerzfreiheit. Zur Operation w√§hlen wir den medialen Zugang, weil einerseits bei stark gebeugtem Gelenk der FPA weniger traumatisierend entfernt werden kann und andererseits der distale Gelenkanteil zwischen M. pronator teres und M. flexor carpi radialis auf vorhandene Gelenkver√§nderungen wie FPC oder OCD des med. Condylus humeri inspiziert werden kann. Die vor allem nach lateralem Zugang verbleibende Instabilit√§t ruft sp√§ter mehr oder weniger starke arthrotische Ver√§nderungen, verbunden mit Schmerzsch√ľben, hervor. Hierauf ist der Besitzer vor der Operation aufmerksam zu machen.

Nachbehandlung

Sie tr√§gt wesentlich zum Erfolg bei. Empfehlenswert ist ein St√ľtzverband √ľber 14 Tg. der alle 2-3 Tg. gewechselt wird. W√§hrend dieser Zeit ist eine strikte Bewegungseinschr√§nkung obligatorisch. Nach 14 Tg. wird etwas mehr Bewegung erlaubt, aber f√ľr weitere 4 Wo. besteht Leinenzwang. Anschlie√üend wird ein langsames Aufbautraining durchgef√ľhrt. Volle Belastung sollte erst nach 5-6 Mo. erfolgen.