Osteochondrosis dissecans (OCD) im Schultergelenk

Diese Veränderung wird fast nur bei jungen, schnellwachsenden großen Rassen wie Bernhardiner, Irish Wolfshund, Dogge, Kuvasz, Retriever, Rhodesian Ridgeback, Boxer, Berner Sennenhund usw. ab dem 5. Mo. an der kaudalen Gelenkfläche des Humeruskopfes, seltener auch in der Cavitas glenoidalis der Skapula, beobachtet und ist in etwa 30 % der Fälle bilateral.

Symptome:¬†Schulterlahmheit, Verk√ľrzung des Schrittes und Schmerzausl√∂sung bei extremer Streckung und Beugung des Schultergelenkes.

Röntgenuntersuchung:  Im medio-lateralen Strahlengang findet sich eine Abflachung oder unterschiedlich tiefe Eindellung im kaudalen Drittel des Humeruskopfes. Ein flaches, wenig mineralisiertes Dissekat ist im Röntgenbild nur schwer zu erkennen.  Die Dissekate finden sich bevorzugt im Bereich der Bizepssehnenscheide oder im kaudalen Gelenkrezessus.

Optimal ist die Diagnosestellung mittels Computertomographie, da damit das Ausmaß der Gelenksveränderung dreidimensional dargestellt werden kann. Zusätzlich können gleichzeitig andere Erkrankungen, wie ein FPC im Ellbogengelenk ausgeschlossen werden.

Behandlung: Bei kleineren Defekten kann eine konservative Therapie mit¬† 2-3monatiger Ruhe erfolgreich sein. Mindestens 4 Wo. lang d√ľrfen die Tiere nur wenig und an der Leine gef√ľhrt laufen. Ferner erfolgt nach einer F√ľtterungsanalyse eine Futterumstellung. Anschlie√üend langsam steigerndes Aufbautraining. Gr√∂√üere Belastungen sollten nicht vor 3 Mo. erfolgen. Mit diesen Ma√ünahmen kann die Knorpell√§sion vor weiteren mechanischen Irritationen gesch√ľtzt und dadurch eine spontane Ausheilung erreicht werden. Helfen diese Ma√ünahmen nicht, sollte eine Operation erst, wenn der Patient mindestens 6 Mo. alt ist, durchgef√ľhrt werden (Abb. 28.4b). Es besteht sonst die Gefahr, dass beim chirurgischen Vorgehen die Wachstumszone des Humeruskopfes gesch√§digt wird.

Prognose: Abh√§ngig einerseits von der Gr√∂√üe des Knorpeldefektes andererseits vom Zeitpunkt der Operation: gut bei Operationen noch vor Entwicklung einer Arthrose, weniger gut, wenn gro√üe Defekte zu sp√§t oder nicht operiert werden. Arthrotische Ver√§nderungen wie Randexostosen am kaudalen Humeruskopf und im Bereich des Proc. infraglenoidale k√∂nnen relativ fr√ľh beobachtet werden. Freie Gelenkk√∂rper k√∂nnen aus dem kaudalen Gelenkrezessus in den Recessus subscapularis wandern und eine Irritation und schmerzhafte Bizepssehnentendovaginitis verursachen.